Neujahr 2022

… oder doch optimistisch sein?

Wie der erste Teil dieser Frage lautet? Ich sage dir, dieser Teil liegt im letzten Jahr. Heuer, jetzt zu Beginn des neuen Jahres, sollten wir wenigstens Hoffnung und Optimismus hochhalten, auch wenn die Sonne recht tief steht und die Amsel noch nicht befreiend singt.

Ja, es wird noch einmal Schnee kommen, wahrscheinlich sogar noch öfter, bis es Frühling wird. Es wird noch öfter eine „Welle“ geben, die wir uns nicht aussuchen, ob sie nun Delta oder Omikron heißt oder wie mögliche weitere bezeichnet werden.

Schon immer gab es irgendwelche „Wellen“ in der Geschichte der Menschheit. Doch diese sind nicht in unserem ureigenen Erlebnisgedächtnis abgespeichert, ein Menschenleben ist zu kurz. Darum reagieren wir wie die Antilopen auf der Flucht vor einem Rudel Löwen: konfus, wirr, sprunghaft, unorganisiert, unsolidarisch. Wir sind überzeugte Individualisten, aber sicherlich kein Bollwerk an Vernunft gegen die unsichtbare Macht von Viren.  

Was bleibt uns dann in dieser vertrackten Situation, die uns manchmal einfach nur surreal erscheint? Als Individualisten ein ganz persönlicher Optimismus, – ohne Realitätsverweigerung wohlgemerkt.
Bei allen Verlustgedanken – was jetzt alles nicht möglich ist, was wir vermissen – wir leben, und das nicht schlecht. Wir haben tausend kleine Freuden vor der Nase, tagtäglich. Und wir haben es als Individualisten in der Hand, dass uns persönlich eine Welle nichts oder wenig anhaben kann, um damit irgendwann doch ein Teil eines Bollwerks zu sein…

„Niemand ist weise geboren.“ So lautet ein Spruch der Kikuyu (Bantu-Stamm in Kenia).
Ein Optimist glaubt daran, dass wir lernfähig sind und Veränderungen ermöglichen.
Ein Optimist glaubt daran, dass wieder bessere Zeiten kommen.

Ich wünsche dir eine große Portion Optimismus in diesem Jahr!

ADVENT 2021

Wege oder Die Kunst der kleinen Schritte

24 Heiliger Abend

Ein Stern führt uns, ein himmlisches Zeichen: Es gibt mehr als unser Erdenleben!

Doch genau darauf kommt es an: auf unser Erdenleben.
Wenn die ganze Welt manchmal auch kalt, finster und abweisend erscheint, wenn wir uns manchmal klein, gering, nackt und unwichtig fühlen, wir dürfen daran denken: Genau so hat die Geschichte im Stall in Bethlehem begonnen.

Was ist daraus geworden!
Jubel und Freude, Musik und Freudenlichter, himmlische Klänge – und der Beginn eines strahlenden Lebens, das heute noch Kreise zieht. Wir freuen uns, denn in irgendeiner Weise fühlt sich wohl jeder in dieser Geschichte daheim, wir gehören dazu, wir sind gemeint.

Darum wünschen wir uns: Fröhliche Weihnachten!
Lasst uns feiern und freuen wir uns!

Ich wünsche dir und deinen Lieben gesegnete und frohe Weihnachten!   

23 Kleine Schritte

Ich habe einen Lieblingstext. Er begleitet mich schon Jahrzehnte meines Lebens. Äußerlich ist er schon sehr abgenützt, – das heißt, das Textblatt ist zerknittert und eingerissen, es war schon oft in einer Tasche, in einem Hosensack, im Rucksack und hat schon viele Länder bereist. Ich kann den Text fast auswendig. Genau dieses Blatt hängt jetzt in einem Bilderrahmen neben meinem Lesesessel, zerknittert, wie es im Laufe der Jahre geworden ist. Der Inhalt hat in keinster Weise an Wert verloren, er ist immer noch gültig für mich: „Die Kunst der kleinen Schritte“ von Antoine de Saint- Exupèry und er wird mich weiterhin begleiten, da bin ich mir sicher.

Dies ist eine Konstante in meinem Leben. Es gibt viele Konstanten: geliebte Menschen, Aufgaben, Orte, aber auch Rituale, Traditionen, Werte, die mir die Sicht auf Neues, Abenteuerliches, Interessantes nicht verstellen. Sie sind ein Gerüst meines Lebens. Ich habe immer noch die Möglichkeit, dieses Gerüst mit meinen Freiheiten zu kleiden: mit neuen Interpretationen, Gedanken, Erkenntnissen, Erfahrungen…  

Weihnachten ist auch so eine Konstante. Ich freue mich, wir freuen uns darauf, wir treffen uns und viele der kleinen Schritte, die ich in diesem Adventkalender angesprochen habe, werden in diesen Tagen spürbar: Anlehnen, Enthusiasmus, wie die Zeit vergeht (Wimpernschlag), Geduld, „Merk“würdiges, Abstand nehmen, Hoher Besuch, Sinn, Danken… viele kleine Schritte, die im Zusammenleben wichtiger sind als so mancher große Sprung.
Meine Freiheit in Bezug auf Weihnachten wohnt vor allem innerlich: Ich finde immer wieder einen neuen Zugang, er erschöpft sich nicht, das Fest ist immer wieder neu. Das mag auch eine Botschaft des Weihnachtsfestes sein: Uns ist mit diesem Geburtsereignis zugesagt, dass wir immer wieder neu beginnen dürfen, wir sind nie fertig, die Menschwerdung begleitet uns, solange wir denken, atmen, leben.

→ weiterlesen

Liebes Kind

Liebes Kind!

(am 30. Juli um 20:04 geboren, Tag der Freundschaft)

Nun bist du da!
Deine Eltern haben dir schon lange vor deiner Geburt
einen Namen gegeben.
Jetzt hat dieser Name ein Gesicht, – dein Gesicht,
Fingerchen, – deine Fingerchen,
dunkles Flaumhaar, – dein dunkles Flaumhaar,
jetzt bist du wirklich.

Ich habe deinen Papa angesehen,
– mein erwachsenes Kind,
und mein Herzauge weiß dich, liebes neues Leben,
wohlbehalten in seinen zärtlichen Händen
und in Geborgenheit
geschmiegt an deine zärtliche Mutter.

Das macht mein Herz weit
und füllt es mit einer Freude,
die aus einer neuen Quelle springt. Du bist ein Wunsch
ein Geschenk
eine Liebesgabe
eine Antwort auf Lebensfragen.
Du bist.
Du bist Tobias!

Ganz bestimmt…

Heute keine lange Rede, keine Gedanken zu Schlagwörtern, welche die letzten Jahre prägten, wie „Soziale Kälte“ (2019) und „Ressourcenverschwendung und Klimawandel“ (2020).

Heute brauchen wir das Vertrauen in uns selber und das gut Zureden, falls jemandem der Hoffnungsschimmer noch fehlt.

Wir treffen uns wieder, ganz bestimmt.
Wir feiern wieder miteinander, ganz bestimmt.
Wir singen wieder zusammen, ganz bestimmt.
Wir besuchen uns wieder, ganz bestimmt.
Wir bleiben gesund, ganz bestimmt.

Und wir geben unser Bestes, damit all dies wieder möglich ist.
Ganz bestimmt.

Ein gutes neues Jahr!

Der Jahreskreis schließt sich

2020 – „Ein absonderliches Jahr“, „Zum in die Luft Schießen“, „Gehört in die Wüste geschickt“, „Schleich di!“ und Schlimmeres kann man hören und lesen, wenn nun zum Jahresende an das gesamte Jahr 2020 gedacht wird.
Ich finde diese Einstellung zwar verständlich, jedoch nicht richtig. Verkürzt auf die Pandemie und ihre Folgen gibt sie diesem erstmaligen Ereignis einen Stellenwert, der alles andere in den Hintergrund drängt. Kein Wunder, war Corona doch DIE Schlagzeile, tagtäglich, 44 Wochen lang, – und ich gönne diesem Virus auch schon wieder viel zu viel Platz.

Jedes Leben bietet Helles und Dunkles, Klares und Trübes, Lautes und Leises, Gesundes und Krankes, Frisches und Altes…
Auf und Ab – östliche Kulturen würden Yin und Yang ins Spiel bringen – bewirken sich gegenseitig und haben immer miteinander zu tun.

Auf ziemlich ruppige Art und Weise wurde unser unersättliches Lebensgefühl gestoppt. Was könnten wir uns noch gönnen, was fehlt uns noch in unserem Wirtschaftswutziwunderland, in dem wir schon alles und mehr als genug haben? In diese Richtung wiesen Staus, Kondensstreifenmuster am Himmel, Shopping-Citys, SUVs, Burnout und Depressionen.
Ruhe fehlt uns, die Rückbesinnung, was wirklich wichtig ist, Genügsamkeit und Loslassen, Achtsamkeit und Mitgefühl, Beheimatung, dort wo wir sind und vor allem in uns, – das alles waren noch vor einem Jahr alles andere als moderne Ansichten, die plötzlich wieder an Aktualität gewinnen und nicht nur ein klösterliches Leben umschreiben, sondern wichtige Pfeiler eines gesunden Lebens von globalem Wert, Pfeiler, auf denen Völker, Natur und Klima sicher stehen. An diesen Pfeilern wurden durch die Pandemie Risse, Sprünge, Brüche sichtbar und erlebbar.
Jetzt gilt es, daraus zu lernen. Denn ein Danach wie Davor gibt es nicht.

Das Jahr 2021 wird eine Wegmarke werden. Ein Markstein in der Geschichte unseres zarten, kleinen, blauen Balls, der auf seiner unsichtbaren Bahn durch das eiskalte Universum zieht, begleitet von den ewigen Augen der Sterne, jedoch geborgen in der Wärme des Sonnenlichts und gestaltet von der unerschöpflichen Kreativität der Menschen.

2020 war ein herausforderndes, unheilvolles, riskantes Jahr, das wir nicht in die Wüste schicken sollten, auch nicht in die Luft schießen, und schon gar nicht in die Verbannung. Es ist ein Jahr, das uns eine Chance aufzeigt. 2021 sollte immer 2020 als Kompass im Gepäck haben, damit wir die lebenserhaltende Richtung nicht verlieren.

Zum Abschluss dieses Jahres bringe ich das Bild eines ganz besonderen Hauses:


Das „Balthasar Riepp – Haus“ steht am Stadtplatz in Vils, war einige Zeit die Wohnstatt des angesehenen Malers Balthasar Riepp, – seine Fresken zieren die Fassade. Im letzten Jahrhundert war es die Heimat des Krippenschnitzers und Krippenbauers Norbert Roth, der 99 Jahre alt wurde und ein Leben lang Vergangenheit und Gegenwart in seinen Krippen zu verbinden trachtete. Sein Sohn Josef Roth, selbst Künstler, widmet beiden ein ehrendes Andenken. Er gibt dem Haus mit seiner Kunst ein neues Gesicht: Die farbigen Fenster weisen in diesen dunklen Tagen der Raunächte in eine ungewisse, jedoch leuchtende Zukunft.
Ich finde, das Haus ist voller Symbolik und wunderschön!