Mögest du in interessanten Zeiten leben.

Mögest du in interessanten Zeiten leben.
Alter chinesischer Fluch

Schon lange liegt dieser Spruch unter einer schönen Muschel auf meinem Schreibtisch:
Die Zeile unter dem Spruch hat mich beim ersten Lesen total stutzig gemacht.
Fluch?
Ist das kein Schreibfehler, kein Irrtum?
Ich habe lange nachgedacht.
Vielleicht geht es darum: In unruhigen (interessanten) Zeiten kommt die Seele gar nicht nach und man findet nicht die Ruhe in sich selbst einzukehren, da man ständig von „interessanten“ äußeren Dingen abgelenkt in Beschlag genommen wird.

Je nachdem, wie ich in mir selbst zuhause bin, gilt aber auch:
Monotonie ist Fluch oder Glück.
Die Kehrseite ein und derselben Medaille, nicht?

Laut und leise, hell und dunkel, schnell und langsam, belebt und ruhig, yin und yang – darauf kommt es an. Nur das eine, bloß das andere? Dabei wird die Ganzheit ausgeklammert und ein Ungleichgewicht geschaffen. So gesehen können sogar interessante Zeiten zum Fluch werden.

Wir wissen uns im Text von Kohelet (Altes Testament, Kohelet 3) geborgen: „Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit…“