Der Jahreskreis schließt sich

2020 – „Ein absonderliches Jahr“, „Zum in die Luft Schießen“, „Gehört in die Wüste geschickt“, „Schleich di!“ und Schlimmeres kann man hören und lesen, wenn nun zum Jahresende an das gesamte Jahr 2020 gedacht wird.
Ich finde diese Einstellung zwar verständlich, jedoch nicht richtig. Verkürzt auf die Pandemie und ihre Folgen gibt sie diesem erstmaligen Ereignis einen Stellenwert, der alles andere in den Hintergrund drängt. Kein Wunder, war Corona doch DIE Schlagzeile, tagtäglich, 44 Wochen lang, – und ich gönne diesem Virus auch schon wieder viel zu viel Platz.

Jedes Leben bietet Helles und Dunkles, Klares und Trübes, Lautes und Leises, Gesundes und Krankes, Frisches und Altes…
Auf und Ab – östliche Kulturen würden Yin und Yang ins Spiel bringen – bewirken sich gegenseitig und haben immer miteinander zu tun.

Auf ziemlich ruppige Art und Weise wurde unser unersättliches Lebensgefühl gestoppt. Was könnten wir uns noch gönnen, was fehlt uns noch in unserem Wirtschaftswutziwunderland, in dem wir schon alles und mehr als genug haben? In diese Richtung wiesen Staus, Kondensstreifenmuster am Himmel, Shopping-Citys, SUVs, Burnout und Depressionen.
Ruhe fehlt uns, die Rückbesinnung, was wirklich wichtig ist, Genügsamkeit und Loslassen, Achtsamkeit und Mitgefühl, Beheimatung, dort wo wir sind und vor allem in uns, – das alles waren noch vor einem Jahr alles andere als moderne Ansichten, die plötzlich wieder an Aktualität gewinnen und nicht nur ein klösterliches Leben umschreiben, sondern wichtige Pfeiler eines gesunden Lebens von globalem Wert, Pfeiler, auf denen Völker, Natur und Klima sicher stehen. An diesen Pfeilern wurden durch die Pandemie Risse, Sprünge, Brüche sichtbar und erlebbar.
Jetzt gilt es, daraus zu lernen. Denn ein Danach wie Davor gibt es nicht.

Das Jahr 2021 wird eine Wegmarke werden. Ein Markstein in der Geschichte unseres zarten, kleinen, blauen Balls, der auf seiner unsichtbaren Bahn durch das eiskalte Universum zieht, begleitet von den ewigen Augen der Sterne, jedoch geborgen in der Wärme des Sonnenlichts und gestaltet von der unerschöpflichen Kreativität der Menschen.

2020 war ein herausforderndes, unheilvolles, riskantes Jahr, das wir nicht in die Wüste schicken sollten, auch nicht in die Luft schießen, und schon gar nicht in die Verbannung. Es ist ein Jahr, das uns eine Chance aufzeigt. 2021 sollte immer 2020 als Kompass im Gepäck haben, damit wir die lebenserhaltende Richtung nicht verlieren.

Zum Abschluss dieses Jahres bringe ich das Bild eines ganz besonderen Hauses:


Das „Balthasar Riepp – Haus“ steht am Stadtplatz in Vils, war einige Zeit die Wohnstatt des angesehenen Malers Balthasar Riepp, – seine Fresken zieren die Fassade. Im letzten Jahrhundert war es die Heimat des Krippenschnitzers und Krippenbauers Norbert Roth, der 99 Jahre alt wurde und ein Leben lang Vergangenheit und Gegenwart in seinen Krippen zu verbinden trachtete. Sein Sohn Josef Roth, selbst Künstler, widmet beiden ein ehrendes Andenken. Er gibt dem Haus mit seiner Kunst ein neues Gesicht: Die farbigen Fenster weisen in diesen dunklen Tagen der Raunächte in eine ungewisse, jedoch leuchtende Zukunft.
Ich finde, das Haus ist voller Symbolik und wunderschön!