{"id":1240,"date":"2020-05-03T18:18:57","date_gmt":"2020-05-03T16:18:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.suria.at\/?p=1240"},"modified":"2023-01-23T19:22:53","modified_gmt":"2023-01-23T17:22:53","slug":"blau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.suria.at\/?p=1240","title":{"rendered":"BLAU"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color\">Sollte ich doch Corona als \u00dcberschrift schreiben?<br>Nein, nicht dieses alles dominierende Wort \u00fcber den alles dominierenden Zustand mit den alles dominierenden Richtlinien und Vorschriften\u2026<br>Blau. Ich will Blau schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color\">Daf\u00fcr muss ich nicht einmal \u00fcberlegen. Diese au\u00dfergew\u00f6hnliche Zeit wird f\u00fcr mich immer mit Blau verbunden sein. Ich muss zugeben, ich bin in der wahrlich privilegierten Lage, gesund und soweit gefahrlos leben zu k\u00f6nnen. Ich kann in meinem Garten mit weitem Blick hinaus und nach oben schauen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color\">Ich muss mich nicht wochenlang mit dem Ausschnitt begn\u00fcgen, den mir ein Fenster bietet, ein blaues Eck zwischen H\u00e4userfronten und D\u00e4chern, &#8211; mein Himmel spannt sich weit \u00fcber Berge und die H\u00fcgelkette. Noch nie in meinem Leben war der Himmel so wundersch\u00f6n, noch nie habe ich so tiefes, intensives, makelloses Blau \u00fcber unseren D\u00e4chern, dem bl\u00fchenden Apfelbaum und den ersten gr\u00fcnen Spitzen der Laubb\u00e4ume in \u00fcberbordender Natur gesehen. Vor allem dieses seit Wochen makellose Himmelsblau zieht mich in seinen Bann.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"504\" src=\"https:\/\/www.suria.at\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Blau2_web.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1241\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color\">Und die Stille.<br>Ich kenne tiefe Stille nur von den Bergen, abgeschieden irgendwo, weit und breit keine Stra\u00dfe. Ja, dort gibt es Stille, die zwar immer wieder einm\u00fcndet in ein entferntes Dr\u00f6hnen, 10 km h\u00f6her, an das man sich im Alltag schon l\u00e4ngst gew\u00f6hnt hat. Jetzt ist es still. Oft stundenlang.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color\">Dieses makellose stille Blau erweckt den Anschein einer wunderbaren, intakten Natur in heiliger Ruhe. Wie paradox! Das gibt es nur, weil die Welt aus den Fugen geraten ist. F\u00fcr so viele! Ich wei\u00df von Slums und Hygienevorschriften, die nur l\u00e4cherlich sein k\u00f6nnen in diesem Gewusel von Menschen, M\u00e4rkten, M\u00fcll. Ich wei\u00df vom Abstandhalten in Zeltst\u00e4dten, die Stoffwand an Stoffwand kaum Regen und Wind trotzen und schon gar nicht dem Virus mittendrin in all der Fl\u00fcchtlingsnot. Ich wei\u00df von Autobahnen und Landstra\u00dfen, die von Wanderarbeiterfamilien f\u00fcr wochenlange Tagesm\u00e4rsche in ein Heimatland gen\u00fctzt werden, ohne gesicherte Versorgung, begleitet von Hunger und Durst und dem schwarzen Himmel der Nacht. Ich wei\u00df von Tiefk\u00fchllastern, in denen jene gestapelt werden, die den Lebenskampf verloren haben und denen keine w\u00fcrdige Verabschiedung gewidmet werden kann. Ich wei\u00df von den Alten, die wartend am Fenster sitzen und nicht verstehen, dass der Tag vergeht und wieder niemand gekommen ist. Ich wei\u00df von Kindern und Jugendlichen, die mit Freunden spielen m\u00f6chten, die Welt erkunden und das Leben sp\u00fcren wollen, jedoch in den vier W\u00e4nden sitzen und gef\u00fcttert werden mit dem Leben aus digitalen Kan\u00e4len.<br>Und dar\u00fcber dieses makellose stille Blau,- es passt nicht dazu.&nbsp; &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color\">6 Wochen lang, &#8211; langsam werden die Verordnungen bei uns gelockert, doch noch gibt es keine Entwarnung. Keiner wei\u00df heute, wie lange ein distanziertes Leben als n\u00f6tig erachtet wird. Es ist jedenfalls f\u00fcr soziale Wesen \u2013 und das sind wir als Spezies nun einmal &#8211; kein Zustand, an den man sich gew\u00f6hnen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color\">Vielleicht bel\u00e4cheln wir unser Abstandhalten, die Masken und Schutzschilde, die Desinfektionswut, die verordnete und freiwillige Isolation irgendwann.<br>Doch vielleicht ist Corona nur ein d\u00fcsterer Vorbote f\u00fcr M\u00f6glichkeiten, die durch die Globalisierung in jeden Winkel der letztlich so kleinen Erde kriechen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color\">M\u00f6glicherweise lernen wir auch daraus. Diese Sichtweise ist mir die allerliebste.<br>Ich vertraue darauf, dass wir lernf\u00e4hig sind. Ich bin \u00fcberzeugt, dass wir die Richtung \u00e4ndern m\u00fcssen, eine Welt der Zahlen &#8211; weiter, h\u00f6her, schneller, mehr \u2013 m\u00f6ge von einer Welt der Bilder abgel\u00f6st werden: Wie werden wir alle satt, physisch und psychisch, ohne die Erde auszubeuten und auf Kosten anderer oder gar der noch gar nicht Geborenen zu leben? Wie befrieden wir unser Leben und unsere Bed\u00fcrfnisse regionaler und gerechter?<br><br>Wir alle m\u00fcssen uns und unser Vorstellungsverm\u00f6gen entwickeln und lernen, dass \u201eWeniger und Anders\u201c auf lange Sicht ein Fortschritt sein wird.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"679\" src=\"https:\/\/www.suria.at\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/gartenbank2_web.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1238\"\/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sollte ich doch Corona als \u00dcberschrift schreiben?Nein, nicht dieses alles dominierende Wort \u00fcber den alles dominierenden Zustand mit den alles dominierenden Richtlinien und Vorschriften\u2026Blau. Ich will Blau schreiben. Daf\u00fcr muss ich nicht einmal \u00fcberlegen. Diese au\u00dfergew\u00f6hnliche Zeit wird f\u00fcr mich immer mit Blau verbunden sein. 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